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Marktbericht

Der monatliche Blick in den Markt für konventionelle Speiseöle

Diese ausführlichen Marktreports erläutern Ihnen jeden Monat detailliert die Entwicklungen der Märkte für konventionelle Speiseöle inklusive ihrer Hintergründe. Für den Marktbericht werden verschiedene Quellen recherchiert und journalistisch aufbereitet. Diese Reports stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Sie werden von unserem Einkaufsleiter Herr Marco Spinelli verfasst.

Bei Fragen steht er Ihnen gerne zur Verfügung.


Allgemein

Nachdem das allgemeine Preisniveau der Pflanzenöle ziemlich stabil geblieben ist, sind die Notierungen in den letzten Tagen sehr stark nach oben gegangen. Dazu haben mehrere, zum Teil unerwartete Gründe beigetragen. So wurde die Sonnenblumenernte laufend nach unten korrigiert, was den Ausgleich von anderen Pflanzenölen erforderlich machen würde. Aber auch die weltweite Palmproduktion wurde für das laufende Jahr 2020 auf noch ca. 74.5 Mio To reduziert, was ca. 2 Mio To tiefer ist als im letzten Jahr. Gleichzeitig blieb das Exportvolumen relativ hoch, so dass die Lager nicht wie erwartet zunehmen konnten. Des Weiteren besteht in Südamerika das Risiko von fehlendem Regen, was die Soja-Ernten reduzieren könnte. Einer der momentan grössten Treiber aber ist die kürzliche Information, dass bald ein Impfschutz für die Pandemie vorhanden sein könnte. Dies hat die Hoffnung zurückgebracht, dass die Wirtschaft (bald) wieder anziehen könnte. Dadurch wurden sowohl das Erdöl als auch die Pflanzenöle allgemein beeinflusst. Gleichzeitig zeigt auch die Börse einen deutlichen Aufwärtstrend.
Die nächsten Wochen werden nun zeigen, ob diese Hoffnungen weiterhin bestehen bleiben bezw. sich sogar (teilweise) erfüllen oder ob (vorübergehend?) doch noch Lockdowns verordnet werden, um die aktuell hohen Fallzahlen reduzieren zu können.

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Sonnenblumenöl und High Oleic Sonnenblumenöl

Tendenz Sonnenblumenöl: offen
Tendenz High Oleic: offen

Die globalen Ernten wurden nochmals nach unten reduziert, denn aus Russland und der Ukraine sowie aus Teilen der EU wurden grössere Einbussen bezw. tiefere Felderträge gemeldet. Aktuell wird noch eine globale Menge von ca. 50 Mio To Saaten geschätzt. Dies ist zwar noch das drittgrösste je erzielte Volumen, liegt aber ca. 10% unter der letzten Saison. Dadurch sind die Preise stetig unter Druck geblieben. Gleichzeitig sind die Anbauer in Russland und vor allem in der Ukraine nach wie vor sehr zurückhaltend mit dem Verkauf ihrer Saaten. Andererseits müssen die Ölmühlen jedoch kaufen, damit sie ihrerseits ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden (Industrie, Handel, usw.) erfüllen können. Dies führt dazu, dass die Abnehmer bereit sind, fast jeden Preis zu bezahlen, so dass die Notierungen massiv gestiegen sind. Ausserdem hat die Türkei beschlossen, die Zölle für Importe zu reduzieren, was zur Folge haben dürfte, dass die Nachfrage aus diesem Land steigen wird. Somit sind kurz- / mittelfristig keine Entlastungen in Sicht. Andererseits sind die Notierungen aktuell so hoch, dass vermehrt mit Nachfrageverschiebungen zu anderen Ölen gerechnet werden kann.
In Argentinien hingegen sieht die Situation noch immer gut aus. Langfristig ist deshalb die Chance vorhanden, dass die Preise wieder zurückkommen.
Eine Preistendenz ist aktuell sehr schwierig abzugeben, denn das Sonnenblumenöl ist momentan gefangen zwischen zwei Blöcken. Auf der einen Seite sind die oben erwähnten Hoffnungen, dass die Pandemie bald überwunden sein könnte und sich die Wirtschaft wieder normalisiert. Gleichzeitig besteht eine knappe Verfügbarkeit. Dies würde für weiter steigende Preise sprechen. Auf der anderen Seite besteht das Risiko eines erneuten Lockdowns. Gleichzeitig könnte der überhitzte Markt abkühlen, wenn auf andere Öle gewechselt wird. Dies würde für sinkende Preise sprechen. Die nächsten Tage/Wochen werden zeigen, welche Faktoren überwiegen.


Beim High Oleic Sonnenblumenöl ist die Prämie stabil geblieben. Deshalb hat auch das High Oleic die schnellen Bewegungen des konventionellen Sonnenblumenöls in beide Richtungen mitgetragen.

Rapsöl

Tendenz: offen

In Australien regnet es momentan stark, so dass die Feldarbeit beeinträchtigt ist. Trotzdem wird eine sehr gute Ernte von ca. 3.5 Mio To erwartet, was über 1 Mo To mehr ist als im letzten Jahr. Dies gibt der EU die wichtige Möglichkeit, grössere Mengen aus Australien zu importieren, nachdem die eigene Ernte als auch diejenigen von anderen Produktionsländern unterdurchschnittlich ausgefallen sind. Dank Australien und Kanada wurde auch die globale Ernte der Saison 2020/2021 leicht erhöht auf neu ca. 63 Mio To Saaten (Vorjahr ca. 61.5 Mio To). Politische Kreise in Frankreich möchten Biodiesel, welcher mit Sojaöl hergestellt worden ist, nicht mehr an den staatlich verordneten Beimischsatz anrechnen lassen. Dies wäre nach dem Palmöl bereits das zweite Pflanzenöl, so dass sich die Biodieselproduzenten auf Rapsöl konzentrieren müssten. Anfänglich gab es einige Befürchtungen, dass eine 2. Coronawelle die Nachfrage im Energiemarkt zurückgehen lassen könnte. Mit der Ankündigung auf einen baldigen Impfstoff sind nun aber die Hoffnungen der Biodieselindustrie wieder gestiegen, was deren Nachfrage erhöht hat. Dies hat zu Preissteigerungen geführt.
Wie bei den anderen Pflanzenölen hat die Meldung des Impfstoffes auch die Preise beim Rapsöl sehr schnell nach oben gebracht. Somit sehen wir eine ähnliche Situation wie beim Sonnenblumenöl. Welche Faktoren überwiegen in den nächsten Tagen und Wochen? Sind es die verbesserten wirtschaftlichen Aussichten dank dem Impfstoff sowie die erhöhte Nachfrage aus dem Energiesektor. Oder sehen wir eine Abkühlung des überhitzten Marktes sowie eine zurückgehende Nachfrage bedingt durch Teilschliessungen von Betrieben.

Erdnussöl

Tendenz: stabil

Die Situation hat sich nicht stark verändert zum letzten Bericht. Die Ernteaussichten sind nach wie vor grundsätzlich positiv, denn sie gehen für die Saison 2020/2021 von einer globalen Menge von knapp 33 Mio To Nüssen aus. In der letzten Saison waren es ca. 31 Mio To. Ein Grossteil der Mehrmenge kommt aus den USA, wo insbesondere die Felderträge höher eingeschätzt werden. Die Hoffnungen auf einen Mengenzuwachs aus Indien scheinen sich nun leider nicht zu erfüllen. Die Anbaufläche wurde zwar stark erhöht, doch lange und sehr starke Regenfälle haben zu Überschwemmungen geführt. Dadurch wird nur noch mit ungefähr der gleichen Menge gerechnet wie im letzten Jahr. Die ersten Informationen aus Afrika weisen auf eine grundsätzlich gute Ernte hin, doch noch sind diese nicht offiziell bestätigt worden. Ausserdem gibt es Bestrebungen, dass die Exporte von ganzen Nüssen eingeschränkt werden, damit genügend Mengen für die inländischen Ölmühlen im Land verbleiben. Im letzten Jahr wurde sehr viel nach China verkauft, so dass die eigene Verarbeitungsindustrie grosse Mühe hatte, zu genügenden Nüssen zu kommen.
Der Erdnussölmarkt ist deutlich kleiner als z.B. Sonnenblumenöl oder Rapsöl. Deshalb hat sich die Meldung des baldigen Impfstoffes zwar auch negativ auf die Preise ausgewirkt, aber nicht im gleichen Umfang.
Wichtig für die kommende Preisentwicklung wird nach wie vor die definitive Einschätzung aus Afrika sein sowie die Nachfrage aus China.